
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
Zella-Mehlis (dapd-lth). Der Fall hat über Thüringens Landesgrenzen hinaus für Entsetzten gesorgt. Ende Juni hatten Wanderer die siebenjährige Mary-Jane aus Zella-Mehlis tot in einem kleinen Bach im Wald gefunden. Bei den weiteren Ermittlungen bestätigten sich die schlimmsten Vermutungen: Das Kind war erst missbraucht, dann bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und schließlich in dem Bach abgelegt worden. Rund ein halbes Jahr später beginnt am Freitag (16. Dezember) der Prozess gegen den damals 37-jährigen mutmaßlichen Täter.Die Anklage wirft dem gelernten Fleischer vor, das Mädchen am 24. Juni in seine Wohnung mitgenommen und dort sexuell missbraucht zu haben. Am Tag darauf habe er das Mädchen aus Angst vor der Entdeckung des Missbrauchs in den Wald gebracht, es gewürgt und in dem Bach abgelegt. Dort ertrank das Mädchen dann.Zwtl.: 50 Ermittler - 1.000 Hinweise - 700 SpurenDer Mann aus dem südthüringischen Sonneberg und das Kind aus dem Mehliser Plattenbauviertel Struth kannten sich, die beiden wohnten nur wenige Meter auseinander. Er war offenbar ein unscheinbarer Typ. Nachbarn beschrieben Tino L. Wochen später als sehr zurückhaltend und ruhig. In Zella-Mehlis lebte er seit zwei Jahren.Die Polizei hatte erst mit einem Großaufgebot nach dem vermissten Mädchen und dann mit einer Sonderkommission nach dem Täter gesucht. 50 Ermittler gingen 1.000 Hinweisen und 700 Spuren nach. Sie hatten sich in der MDR-Sendung «Kripo live» sogar an die Öffentlichkeit gewandt.Letztlich kamen die Ermittler dem Mann durch Zeugenaussagen auf die Spur. Tino L. wurde an seinem Arbeitsplatz in einer Textilreinigungsfirma festgenommen. Eine freiwillig abgegebene Speichelprobe überführte ihn. Bei ihm fanden die Ermittler auch die gesuchte Schultasche des Kindes. Zwei Wochen nach der Tat war der Fall geklärt. Es war die Spur 130.Zwtl.: Geständiger Täter ist vorbestraft«Sie sehen einen betroffenen aber auch sehr erleichterten Beamten vor sich», hatte Kriminalhauptkommissar Andreas Beez mit stockender Stimme die Pressekonferenz nach der Festnahme eröffnet. Laut Staatsanwaltschaft ist Tino L. wegen Betäubungsmittel- und Straßenverkehrsdelikten vorbestraft und stand unter Bewährung. Nach seiner Festnahme gestand er, das Mädchen missbraucht und getötet zu haben.In einer bewegenden Trauerfeier hatten Anfang Juli Hunderte Menschen in der Stadthalle in Zella-Mehlis Abschied von dem Mädchen genommen. Mitschüler der Erstklässlerin hatten Bilder gemalt, weiße Rosen und Lilien lagen vor einem überlebensgroßen Porträts des getöteten Mädchens.An der Feier hatte auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) teilgenommen. Sie sprach von einem hinterhältigen Verbrechen an Mary-Jane, das sie zutiefst erschüttert habe. Zugleich hatte sie die Gemeinschaft zu einem fürsorglichen Miteinander aufgerufen. «Soziale Gemeinschaft heißt auch Wachsamkeit, Vertrauen und Anvertrauen.»Bildhinweis: 260611NID198, 260611ERF109, 090711ERF104, 070711hal120dapd / mig / jwu / jfr /1