
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
Pohlheim (dapd-hes). Viele der Männer kommen zu Fuß zur Volkshalle in Watzenborn-Steinberg, einem Ortsteil der Stadt Pohlheim bei Gießen. In die Alltagsroutine an diesem Freitagnachmittag schieben die Männer mal eben einen Gang zum Speicheltest ein. So wie Mario Zettlitzer. Nachdem Polizisten sein Erbgut mit einem Wattestäbchen aufgenommen haben, geht er wieder zurück in die Kfz-Werkstatt. Der Speicheltest sei allerdings schon etwas ungewohnt: «So was kennt man sonst nur aus dem Fernsehen», sagt Zettlitzer. Er ist einer von 135 Männern im Alter zwischen 15 und 50 Jahren, die zur freiwilligen Entnahme von Speichelproben am Freitag und Samstag eingeladen wurden. Mit dem Erbgut auf den Wattestäbchen soll eine DNA-Spur abgeglichen werden, die das Hessische Landeskriminalamt nach einem Tötungsdelikt im September am Tatort sichergestellt hatte. Ein 80-Jähriger war in seinem Haus nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gießen durch «stumpfe Gewalteinwirkung» getötet worden. Die Ermittler hatten demnach auch deutliche Hinweise auf einen Einbruch und einen Kampf gefunden. Ein bisheriger Vergleich von DNA-Spuren aus der Datenbank der Ermittler mit den Spuren vom Tatort sei nicht erfolgreich gewesen. Mit der Sammlung von Speichelproben der zum Test geladenen Männer erhofften sie sich nun eine engere Eingrenzung der Suche nach dem Täter. «Es besteht aufgrund des Tatgeschehens die Möglichkeit, dass er aus dem Nahbereich des Opfers stammt», sagte Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg. Zwtl.: Auch Zwangstest möglich Der Staatsanwaltschaft zufolge stammen die Männer, die zum Speicheltest geladen wurden, aus dem persönlichen Umfeld des ehemaligen Bauunternehmers. Darunter seien Familienangehörige, Nachbarn und berufliche und private Besucher der Familie des Opfers. Auch Mitarbeiter von Firmen, die auf dem Anwesen des Opfers ansässig sind, seien eingeladen worden. Es handele sich aber nicht um Tatverdächtige, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Proben, die an diesen beiden Tagen gesammelt werden, würden nach dem Abgleich vernichtet, sofern sie für den Fall irrelevant seien. Ein Problem war die DNA-Probe für viele der Männer in Watzenborn-Steinberg nicht: «Man macht das doch gerne, wenn man damit den Mörder findet», sagte Benjamin Büchler. Der Speicheltest war auch für Fadi Michel eine entspannte Angelegenheit. Er habe sich entschieden, der Einladung zum Speicheltest lieber gleich nachzukommen - «nicht, dass es dann später Fragen gibt». Ähnlich sah dies ein anderer, der ebenfalls seine DNA-Probe der Polizei zur Verfügung gestellt hatte: «Ich habe kein schlechtes Gewissen, deswegen ist der Test kein Problem für mich. Außerdem: Wenn ich nicht komme, mache ich mich wohl verdächtig.» Diese Überlegung scheint nicht abwegig: Erscheinen Eingeladene nicht zur Speichelentnahme, so wird dies nach Angaben der Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen nach sich ziehen. «Am Ende des Tages wäre dann auch ein DNA-Zwangstest möglich», sagte Jochen Fabricius von der Gießener Staatsanwaltschaft. Zwtl.: Suche nach Zeugen bislang vergeblich Der Speicheltest sei aber nur einer von mehreren Ermittlungsansätzen. Zwischenzeitlich hatte die Kriminalpolizei Gießen ein Phantombild veröffentlicht, das einen möglichen Zeugen zeigte. «Der Mann war in unmittelbarer Nähe und zum unmittelbaren Zeitpunkt der Tat gesehen worden», sagte Sehlbach-Schellenberg. Auch wird nach einem schwarzen Pick-up gesucht, der mehreren Ortsbewohnern verdächtig vorgekommen war. Er habe mehrere Tage vor der Tat in der Nähe des Hauses des Opfers gestanden. «Die Suche sowohl nach dem Zeugen als auch nach dem Geländewagen war bislang erfolglos», sagte die Oberstaatsanwältin. Weitere Impulse in der Fahndung erhofften sich die Ermittler nun von der Auswertung der Speichelproben. dapd/web/ote/it/ /1