
Federico Garcia Lorca: Bernarda Albas Haus
von Sa. 04.06.11 20:00
bis Sa. 04.06.11 21:30
Veranstaltungsort:
78224 Singen (Hohentwiel)
Schlachthausstr. 9 / Musikinsel
Basilika
Es mangelt an Männern
Federico Garcia Lorca: Bernarda Albas Haus
Das Doppelgänger Theaterforum stellt im Juni seine neue Produktion vor. Das Junge Theater bietet alljährlich Jugendlichen die Möglichkeit, unter professioneller Leitung an einer Theaterproduktion mitzuwirken.
Man könnte sie fast verstehen, diese tyrannische Bernarda Alba, die ihre fünf Töchter für die nächsten 8 Jahre, ja eigentlich in alle Ewigkeit einsperren will, um sie vom anderen Geschlecht fern zu halten. Sie selbst musste erleben, dass von Männern kein Glück zu erwarten ist. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes verordnet sie den Frauen eine 8-jährige Trauerzeit hinter den Gitterstäben ihres Hauses.
Denen bleibt nichts anderes als ihre Leidenschaften ins Reich der Phantasie zu verlegen, wo sie zu unwirklicher, gefährlicher Größe anwachsen. Jede der Schwestern ist unheilbar verliebt. Und alle träumen von demselben Mann, jede lebt ihr Leben auf ihre Art an der Seite Pepe el Romanos, der unerreichbaren Lichtgestalt und obskurem Objekt ihrer jungfräulichen Begierde.
In dem hermetisch abgeschlossenen Kessel des Hauses beginnen die verbotenen Gefühle zu gären, steigt der Druck der unterdrückten Sehnsüchte ins Unermessliche.
„Merkt ihr, wie still es hier ist? Und doch steht über jedem Zimmer ein Gewitter. Wenn der Sturm losbricht, wird er uns alle wegfegen“, orakelt La Poncia, die alte Magd des Hauses, die selbst nichts erfreuliches über das andere Geschlecht zu berichten weiß: „Eines müsst ihr wissen: vierzehn Tage nach der Hochzeit interessiert sich der Mann mehr für den Tisch als für das Bett, und wenn er vom Tisch aufsteht, geht er in die Kneipe.“
Doch Adela, die jüngste, glaubt an ihren Traum. Rasend vor Liebe wagt sie den Ausbruch ohne Rücksicht auf alles, was Verstand und Sitte vorschreiben. Sie zerbricht Bernardas Zepter, diese verhasste Krücke, die auch dazu dient, auf die Rücken der Frauen niederzugehen. Adela kündigt eine neue Ära an: „Er ist jetzt der Herr im Haus. Da draußen wartet er, und er hat den Atem eines Löwen.“
Doch sie irrt, Pepe ist nicht der Held, den sie sich erträumt hat. Supermann nimmt auf seinem weißen Pferd Reißaus, wenn es ernst wird.
Es mangelt an Männern. Bernarda wird Recht behalten. Das Ende ist schrecklich.
Regisseur Stefan Bresser und das junge Ensemble präsentieren das Drama als zeitgemäßes Experiment, das Lorcas düster-surreale Poesie und Musikalität unterstreicht. Das Stück erscheint reduziert, poetisch, leidenschaftlich.
Am Freitag, den 3. Juni um 20 Uhr feiert Bernarda Albas Haus in der Singener Basilika des Theaters Die Färbe Premiere. Weitere Aufführungen gibt es am 4. Juni und am 1.und 2. Juli im Scheffelhof in Radolfzell.
Infos und Kartenreservierung unter 07732/9423942 oder
info@doppelgaenger-theaterforum.de
Veranstaltungseintrag ändern