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Nachrichten aus Schwalmtal (Viersen)





Amoklauf in Schwalmtal

Schwalmtal (Viersen), Mi. 19.08.09 07:16
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
Amoklauf in Schwalmtal
Foto: Symbolbild

Amoklauf in Schwalmtal (ddp-nrw) - Der Streit um die Zwangsversteigerung eines Hauses ist offenbar der Anlass für die Schießerei mit drei Toten und einem Schwerverletzten in Schwalmtal (Kreis Viersen) gewesen. Der 71-jährige Tatverdächtige habe zur Waffe gegriffen, um den Streit um die Immobilie zu beenden, die wegen der Scheidung der Tochter von ihrem Ehemann zwangsversteigert werden sollte, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch, 19. August, in Düsseldorf mitteilten. Der Tatverdächtige habe erklärt, er wolle in dem andauernden Rechtsstreit «endlich einen Fortschritt» haben, sagte der Leitende Kriminaldirektor Jürgen Schneider.

Deswegen habe der mutmaßliche Schütze am Dienstag, 18. August, wahllos auf zwei Gutachter des Kreises Viersen, zwei Rechtsanwälte und die 44 Jahre alte Tochter geschossen. Dabei wurden die beiden Rechtsanwälte im Alter von 70 und 38 Jahren und ein 48 Jahre alter Gutachter getötet. Zudem erlitt der zweite Gutachter im Alter von 40 Jahren zwei Schussverletzungen. Er schwebe aber nicht in Lebensgefahr.

Laut Schneider war die Polizei gegen 16.30 Uhr gerufen worden. Aufgrund der ungeklärten Situation sei man zunächst von einem Amoklauf ausgegangen. Zudem war eine Geiselnahme nicht ausgeschlossen worden. Der 71-Jährige hatte sich nach den Schüssen verschanzt. Der Mann gab später auf und wurde festgenommen. Er kam wegen einer Zuckererkrankung zunächst in ein Krankenhaus. Noch im Laufe des
Mittwochs sollte Haftbefehl wegen Mordes gegen ihn erlassen werden.

Der Tatverdächtige sei seit längerem mit dem Streit um die Immobilie vertraut gewesen. Zwar habe der 44-jährige ehemalige Schwiegersohn das Haus gekauft, aufgrund der Tatsache, dass der Ex-Schwiegervater aber in dem Haus zahlreiche Ausbauarbeiten geleistet hatte, erhob er ebenfalls Anspruch auf das Haus. Zudem lebten die Tochter sowie ein Onkel darin, außerdem war eine Wohnung im Keller untervermietet.

Der Tatverdächtige habe dem Treffen zwischen den Rechtsanwälten und Gutachtern in der Diele des Hauses beigewohnt. Als aus seiner Sicht keine Lösung in dem Rechtsstreit absehbar war, sei er in einen anderen Raum gegangen und hatte dort eine Pistole und Munition aus einer Tüte genommen. Anschließend schoss er zehnmal wahllos und ohne Vorwarnung auf die Anwesenden. Er habe auf die Beteiligten und auch auf seine Tochter geschossen, weil er den Eindruck gehabt habe, dass «sie alle von den Rechtsanwälten der gegnerischen Partei dominiert» werden, sagte Kriminaldirektor Schneider. Er habe damit «ein Zeichen» setzen wollen.

Die Waffe sowie die Munition soll der 71-Jährige in den siebziger Jahren von seinem Vater erhalten haben. Einen Waffenschein besitzt der Mann nicht.

Gegen den 71-Jährigen war bereits schon einmal Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden, nachdem er Verwandte mit einem Baseballschläger attackiert hatte. Da der Rentner
nicht verhandlungsfähig war, wurde das Verfahren damals eingestellt.

Laut Schneider waren die Schüsse des Mannes «sofort tödlich». Nähere Einzelheiten sollen nun die Obduktionen ergeben, die am Mittwoch begannen.

Der Landrat des Kreises Viersen, Peter Ottmann (CDU), zeigte sich betroffen. Es herrsche «tiefe Trauer und großes Entsetzen über die Tat», erklärte er. In der Eingangshalle des Kreishauses wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt. Zudem wurde die Flagge vor dem Kreishaus auf Halbmast gesetzt. (ddp/mbo/iha)
Quelle: ddp, Polizei, dts