
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
Hamburg (ddp-nrd). Die Tiger-Dressurnummer des verunglückten 28-jährigen Dompteurs in Hamburg war nach Einschätzung des renommierten Dompteurs Dieter Farell zu riskant. «Dieser junge Mann hatte absolut keine Erfahrung, auch wenn das immer behauptet wird. Er war ein Neuling in dem Geschäft. Das konnte nicht gut gehen», sagte Farell der «Frankfurter Rundschau» (Donnerstagausgabe). Der 75-Jährige dressiert seit 57 Jahren Raubtiere und betreibt in Dassow bei Lübeck einen Tigerpark. Der Tiertrainer war am Dienstag bei einer Dinner-Party in Hamburg von drei Tigern vor den Augen von fast 200 Showgästen lebensgefährlich verletzt worden. Er erlitt nach Angaben der Feuerwehr unter anderem ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und schwere Verletzungen am Brustkorb. Zudem musste ihm die linke Hand amputiert werden. Ob der 28-Jährige unverändert in Lebensgefahr schwebt, wollte das behandelnde Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf am Donnerstag auf ddp-Anfrage nicht sagen. Farell zufolge wollte der junge Tiger-Dompteur seine drei- bis vierjährigen Tiere in einer Spielgruppe zeigen. Das sei keine fertige Dressurnummer gewesen. «Nach dem, was ich über ihn weiß, ist er schon immer viel zu dicht an die Tiere rangegangen, der rennt sie fast um. Das geht mit Tigern nicht», sagte der Fachmann. Jedes Tier sei von einem unsichtbaren Kreis umgeben. Wenn man die Grenze überschreite, fühlten sich die Tiere provoziert und griffen an. «Dieses Spiel mit den Distanzen war ihm offenbar völlig fremd», sagte Farell. Völlige Sicherheit gebe es freilich nirgends, räumte der erfahrene Dompteur ein: «Man kann mit diesen Tieren nur einigermaßen gefahrlos umgehen, wenn man eine starke Persönlichkeit ist. Man muss das Alphatier sein.» Die Stellung des 28-jährigen Tiertrainers in Hamburg sei viel zu schwach gewesen. Derweil forderte der Tierschutzverein animal public ein Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus. Der Bundesrat habe sich bereits 2003 für ein grundsätzliches Verbot der Haltung von bestimmten Wildtierarten ausgesprochen, teilte der Verein mit. Dies sei bisher nicht von der Bundesregierung umgesetzt worden. Jedoch hätten sich zuletzt die Stimmen aus den Ländern Schleswig-Holstein, Berlin und Hamburg gehäuft, die eine Reglementierung fordern. Nun sei Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gefordert. ddp/jaw/mwa