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Nachrichten aus Schlangenbad





NABU Untertaunus weist auf fehlerhafte Vogelschutzberichte hin

Schlangenbad, Di. 17.01.12 17:52
Nachrichten von anonymous

Erfolgreiches Monitoring kann Angaben widerlegen


Schlangenbad/Untertaunus - Er zählt zu den größten und elegantesten im Bundesland heimischen Greifvögel und er war im Jahr 2000 der NABU-Vogel des Jahres. Mit etwas Glück und dem richtigen Standort kann man den Milan sogar am frostigen Winterhimmel beobachten, weiß Julia Hy-Keller vom Naturschutzbund NABU Untertaunus in Schlangenbad zu berichten. Traditionell verbringen Rot- und Schwarzmilan den Winter in Spanien, Portugal oder Südwestfrankreich, wo es auch während der Wintermonate ausreichend Nahrung gibt. Beide kommen meist im Februar oder März wieder zu uns zurück und beginnen dann bald mit eindrucksvollen Balzflügen.

Aber Traditionen gelten in der Vogelwelt nicht mehr als unumstößlich. In den letzten Jahren konnte zunehmend beobachtet werden, dass Rot- und Schwarzmilane auch in heimischen Gefilden überwintern. Der Grund für diese Umstellung liegt zum einen in der relativ milden Witterung der vergangenen Winter und in den neuen Nahrungsquellen, die sich die Greife erschlossen haben.

Hinzu kommt, dass auch der Schwarzmilan, dessen Nistplätze man entlang am Rhein findet, sein Jagdverhalten der Neuzeit und den veränderten Umweltbedingungen ebenfalls angepasst hat. Im Frühjahr und Sommer ziehen Schwarzmilane vermehrt auf Nahrungssuche zu den offenen und halboffenen Flächen in den Hinterlandswald um dort gemeinsam mit Rotmilanen zu jagen.
„Es ist ein faszinierendes Schauspiel diese großen und graziös fliegenden Greife bei der Jagd zu beobachten“ berichtet Julia Hy-Keller, die ständig im Hinterlandswald unterwegs ist, um die dortige Fauna und Flora fotografisch zu dokumentieren. Dabei sind ihr Veränderungen der Verhaltensweisen, sowohl von Greifvögeln als auch anderen Wildtieren ständig präsent.

Daher wurde der Bericht zum geplanten Bau der Windkrafträder und der Angabe, dass es im Taunus keine Rotmilane geben soll, mit großem Erstaunen von der Vorsitzenden des NABU Untertaunus aufgenommen. Hunderte von Fotos von Hy-Keller, aufgenommen im Umland von Taunusstein, Bad Schwalbach, Heidenrod, Schlangenbad sowie im Wispertal bis in den vorderen Rheingau, beweisen eindrucksvoll das Gegenteil.

„Es kommt jedoch nicht nur auf die Rotmilane an, die in den offenen und halboffenen Flächen des gesamten Hinterlandswalds ihre Brut- und Jagdgebiete haben, sondern auch die hier durchziehenden und jagenden Gastvögel wie der Schwarzmilan oder der Weißstorch wären einer Bedrohung durch Windkraftanlagen ausgesetzt“ so die NABU Fachfrau. Bei aller Euphorie und Zustimmung für regenerative Energieerzeugung dürfen wir nicht versäumen, auch dem Mensch ein Rückzugsgebiet zu schaffen, in dem er sich bewegen kann, ohne ständig auf rotierende Windkraftanlagen blicken zu müssen, mahnt die engagierte Naturliebhaberin, die auch am jährlichen Zugvogelmonitoring teilnimmt. Dabei konnten im letzten Jahr beeindruckende Beobachtungen gemacht werden: Tausende von Kranichen und anderen Zugvögeln haben ihre Zugrouten auf Grund der zunehmenden Bebauung mit Windkraftanlagen verändert und ziehen vermehrt über den noch weitgehend windkraftrandfreien Taunus Richtung Westen. In den Hauptzugszeiten riefen täglich mehrere Bürgerinnen und Bürger beim NABU Untertaunus an und meldeten eindrucksvolle Beobachtungen, die sie hier im Taunus noch nie erlebt hätten. In wenigen Stunden konnten an einem Tag bis zu fünftausend Kraniche geschätzt werden. Über den Nachrichtendienst Twitter wurden vom NABU Untertaunus ständig die aktuellen Flugbewegungen durchgegeben, so auch an einem Tag, zirka fünfzig Rotmilane, die langsam ziehend den Taunus überquerten. Gerade erst am gestrigen Tag wurden weitere Flugbewegungen von Kranichen beobachtet: Eine kleinere Gruppe von etwa 300 Tieren überflog den Taunus Richtung Westen, eine Beobachtungsmeldung aus der Nacht davor, bestätigte etwa 600 Tiere bei Dunkelheit über Wiesbaden Stadt.

Der NABU Untertaunus appelliert daher dringend an die Behörden zu mehr kooperativer Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden und deren engagierter Mitglieder vor Ort. Die eindrucksvollen Nachweise des Vorkommens geschützter Arten, können somit nicht mehr ignoriert werden.

Quelle: Pressereferat NABU Untertaunus



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