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NABU Untertaunus: Verkehrs-, Industrie- und Siedlungsbau statt Naturschutz bekämpfen
Schlangenbad/Untertaunus - Der Deutsche Bauernverband fordert ein Umdenken im Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen und legte in verschiedenen Bundesländern entsprechende Gesetzesinitiativen zum Flächenschutz vor. Das Anliegen scheint jedoch nicht darin zu liegen, flächenfressende Industrialisierung zu stoppen, sondern vielmehr darin, Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz.
Tatsächlich gehen jeden Tag rund 90 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland durch Gewerbe-, Siedlungs- und Infrastrukturmaßnahmen verloren, das sind rund 31.000 Hektar im Jahr. Für Ausgleichsmaßnahmen wird jedoch nur ein geringer Teil landwirtschaftlicher Nutzflächen herangezogen, sondern deutlich mehr landwirtschaftlich ohnehin nicht genutzte, oder nicht nutzbare Flächen.
Aber um welche Flächen geht es und was soll dort angebaut werden?
In Deutschland ist zunehmend und äußerst rasant der ländliche Flächenverbrauch zur Gewinnung regenerativer Energien seit Jahren ein Thema. Riesige Monokulturen unterbinden den Fortbestand sowie Entstehung von natürlichen Abläufen und Prozessen. Früher lebhaft und abwechslungsreich besiedelte Kulturlandschaften sind verödet und durch starke Anwendung von Düngemitteln, Pestiziden und Herbiziden wird regionale Fauna und Flora erheblich gefährdet.
Zu beobachten ist, dass landwirtschaftliche Fläche vermehrt zur Gewinnung von Rohstoffen die zur Herstellung von Treibstoffen verwandt werden, verbraucht wird. Zunehmend auch von den Rohstoffen, die zum Betrieb von Biogasanlagen vorgesehen sind.
Bauern, die sich wegen mangelnder Akzeptanz in der Bevölkerung sowie rückläufigen Subventionen einer ursprünglich betriebenen Landwirtschaft Sorgen um ihre Existenz machen müssen, setzen dabei zunehmend auf die Herstellung von Produkten, die zur Gewinnung regenerativer Energien genutzt und damit auch staatlich erheblich gefördert werden. Ebenso oft wird ländlicher Raum vermeintlich gewinnbringend an Windenergiebetreiber verpachtet. Das bedeutet für manchen Kleinbauern eine sichere Existenzgrundlage.
Alternativ dazu müssen jedoch landwirtschaftliche Produkte wie z.B. Gemüse und Obst teuer aus dem Ausland importiert werden. Dort - wie zum Beispiel in Spanien - werden wüstenähnliche Landstriche mit hohem Kosten- und Energieaufwand bewässert, um sie überhaupt gewinnbringend nutzen zu können. Die Energien die dazu aufgewendet werden müssen, werden teilweise auf wertvollen Ackerböden in Deutschland hergestellt und produziert.
Der Bauernverband setzt sich politisch dafür ein, dass Ausgleichsmaßnahmen durch Geldzahlungen und sogenannte „produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen“ – wie Blühstreifen in bestehenden Äckern – ersetzt werden. Aus Sicht der Umweltverbände würde dies jedoch eine Schwächung des Naturschutzrechts bedeuten und den weiteren Flächenverbrauch nochmals erleichtern.
In den meisten Fällen - wie hier im Untertaunus - stehen bei größeren Bauvorhaben, wie z. B. bei der Planung mehrerer großer Windparks im Hinterlandswald - keine Ausgleichsflächen zur Verfügung, die auch nur ansatzweise den dafür gerodeten Wald ersetzen könnten. Auch keine landwirtschaftlich genutzten.
Die Forderungen
Die Forderung nach mehr Fläche für die Landwirtschaft ist daher auch aus Sicht des NABU Untertaunus irreführend, zynisch und verlogen.
Ausgleichsflächen sind im Gegensatz zu asphaltierten oder bebauten Flächen Lebensräume für viele Arten, sie erhöhen die Grundwasserqualität und die Bodenfruchtbarkeit und erhalten damit auch ein gesundes Klima.
Die flächenübergreifende Nutzung sowohl für die Landwirtschaft als auch für den Naturschutz ergibt letztendlich einen positiven Nutzen für alle. Denn auch landwirtschaftlich stillgelegte Flächen müssen weiter, jedoch nachhaltig erwirtschaftet werden.
Der NABU Untertaunus fordert daher von den Bauernverbänden mehr interne Überzeugungsarbeit zu einer nachhaltigen und ökologisch wertvollen Landwirtschaft. In gleichem Maß wird mehr Akzeptanz von der Bevölkerung sowie von der Politik gegenüber den einheimischen Bauern gefordert.
Landwirtschaftliche Produkte sind aus Sicht des NABU Untertaunus erst dann wirklich nachhaltig erzeugt, wenn sie aus regional-ländlichen Bereichen kommen, ohne eine halbe Weltreise hinter sich zu haben.
Quelle: Pressereferat NABU Untertaunus
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