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Keine Haftbefehle gegen Tatverdächtige im Polizistenmord - Staatsanwalt will nach weiteren Beweisen Beschwerde beim Amtsgericht einlegen -- Von Beowulf Kayser --

Riesa, Fr. 03.12.10 17:26
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL

Cottbus (dapd-lsc). Die zwei im Zusammenhang mit dem Polizistenmord im südbrandenburgischen Lauchhammer festgenommenen Tatverdächtigen sind wieder auf freien Fuß. Die beiden Russlanddeutschen, die seit fünf Jahren im nordsächsischen Gröditz bei Riesa wohnen, seien aber weiterhin tatverdächtig, sagte der Leitende Cottbuser Oberstaatsanwalt Bernhard Brocher am Freitag. Die Haftrichterin vom Amtsgericht Cottbus habe es abgelehnt, gegen einen 37-Jährigen, der von Zeugen auf einem Blitzerfoto im Fahrzeug des Opfers erkannt worden sei, Haftbefehl zu erlassen, sagte Brocher. Sie habe wegen fehlender gutachterlicher Beweise keinen dringenden Tatverdacht festgestellt. Gegen den zweiten Verdächtigen, einen 28-jährigen Mann, sei kein Haftantrag gestellt worden. Beide Männer waren am Mittwoch an ihrem Wohnort von Spezialkräften der Polizei vorübergehend festgenommen worden, weil sie der Aufforderung zur Vernehmung in Cottbus nicht widerstandslos folgen wollten. Am Donnerstagabend wurden sie wieder entlassen. Sie können sich den Angaben zufolge frei und ohne Auflagen bewegen. Die Staatsanwaltschaft will nach Vorlage weiterer Beweise gegen die beiden Männer spätestens in einer Woche Beschwerde beim Amtsgericht Cottbus einlegen und Haftbefehle erwirken, wie Brocher sagte. Der 46-jährige Polizeihauptkommissars Steffen M. war am 23. November 2009 tot vor seiner Garage in Lauchhammer-Ost gefunden worden. Der Beamte war zu jener Zeit nicht im Dienst und trug keine Uniform. Die Leiche wies Stich- und Kopfverletzungen auf. Die Täter flüchteten mit dem Pkw des Opfers nach Sachsen, wobei der Wagen «geblitzt» wurde. Zwtl: Verdächtige bestreiten Beteiligung an Mord Bei den Vernehmungen hätten die beiden Männer eine Beteiligung an der Tötung des Polizisten bestritten, sagte der Leiter der Mordkommission, Peter Augustin. Sie gaben Augustin zufolge an, noch niemals in ihrem Leben in Lauchhammer gewesen zu sein. Beide hätten für die Tat kein Alibi. Seit zwei Monaten werde gezielt gegen die beiden Männer ermittelt, sagte Brocher. Auf ihre Spur sei man durch Hinweise aus der Bevölkerung gekommen. Ein Zeuge habe mitgeteilt, dass er die Person auf dem Blitzerfoto kenne. «Der Mann lebt in unserem Wohnort Gröditz», habe er angegeben. Auch der Einsatz von Spezialhunden am Tatort und im Fahndungsbereich Nordsachsen habe die Ermittler der Mordkommission «Garage» auf die Spur der beiden Verdächtigen geführt. Beide seien außerdem in Polen beim Drogenschmuggel festgenommen worden. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass der Mord an dem Polizisten in Lauchhammer von mehreren Personen begangen wurde. «Eine Beziehungstat schließen wir aus», sagte Brocher. Der Frankfurter Polizeipräsident Arne Feuring zeigte sich sicher, dass die Mörder bald gefasst werden. Brocher räumte allerdings ein, dass man «noch weit vom Abschluss des Falles entfernt» sei. Die Ermittlungsbehörde und die Polizei stünden in der Beweispflicht und müssten eine mögliche Tatbeteiligung der Verdächtigen zweifelsfrei nachweisen. dapd/byr/ko /3
Quelle: dapd