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Nürnberg, Mo. 05.10.09 22:08
Nachrichten von anonymous

Unter ihrem jetzigen Namen gibt es die Equipe Nürnberger Versicherung nur noch wenige Wochen. Die Radsport-Saison 2009 absolvierte Deutschlands einzige Frauen-Profimannschaft als Bundesliga-Sieger und Vierter der Team-Weltrangliste gewohnt erfolgreich. Nach 16 Jahren Spitzensport wechselt mit dem Hauptsponsor nun auch die Bezeichnung für das fränkische Erfolgsprojekt auf zwei Rädern. Andreas M. Tschorn* blickt zurück.

Aufgrund der strategischen Neuausrichtung ihres Sponsoring-Engagements beendet die Nürnberger Versicherungsgruppe zum 31. Dezember 2009 ihre Aktivität im Frauen-Radsport. Der zum Saisonende auslaufende Vertrag mit der Betreibergesellschaft wurde nicht mehr verlängert. Mit dieser Entscheidung beschließt der bisherige Titelsponsor sein Engagement, das schon 1994 begonnen wurde.

Zunächst als Partner des damaligen RV Tourenclub Nürnberg 1912 (TCN) baute das Unternehmen seine Präsenz stetig aus. Später wurde unter dem Namen Equipe Nürnberger eine reine Profi-Mannschaft etabliert, die in den darauffolgenden Jahren zur dominierenden Kraft im nationalen und internationalen Radsport aufstieg. Während dieser Zeit reihte der fränkische Rennstall Erfolg an Erfolg. Zahlreiche deutsche und ausländische Meistertitel sowie Siege bei weltweit vielen großen Eintagesrennen und Rundfahrten errangen die Athletinnen. Zu den sportlichen Höhepunkten zählen zwei Weltmeisterschaften und eine olympische Silbermedaille.

In dem für eine Partnerschaft zwischen Team und Sponsor außergewöhnlich großen Zeitraum wurde Einmaliges geleistet. Es gibt keine Sportgruppe, die im Radsport auf diese Weise Impulse setzte. Die kühne Idee, erst noch belächelt, entwickelte sich zu einer international erfolgreichen Marke. Die Equipe wurde zu einem wichtigen sportlichen Aushängeschild für die Europäische Metropolregion Nürnberg.

Die Stadt Nürnberg war mit ihren vielen Ausnahmeathleten und als traditioneller Produktionsstandort schon seit jeher eine Hochburg für Zweiräder. Der Tourenclub Nürnberg führte 1990 das Radfahren auch für Frauen ein. Dabei handelte es sich um äußerst bescheidene und rein breitensportlich orientierte erste Versuche. Der richtige Startschuss für den Nürnberger Frauen-Radsport fiel drei Jahre später: Beim Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt 1993 radelten im Vorprogramm erstmals auch 58 Frauen über 50 Kilometer mit.

Möglich machten dies nach langer Überzeugungsarbeit der TCN-Vorsitzende Herbert Oppelt und Ilse Lehner-Eckhart. Die langjährige Frauenwartin des Bayerischen Radsport-Verbandes stellte im Februar 1994, unterstützt von der Nürnberger Versicherungsgruppe, ein neues leistungsorientiertes Team des TCN vor. Die neun Rennfahrerinnen wurden auf Anhieb Vizemeister in der im Jahr zuvor eingeführten Rad-Bundesliga der Frauen.

Sportlicher Leiter war anfangs Hans Schleicher, dessen damals erst 18-jährige Tochter Regina als Deutsche Meisterin 1994 gleich für eine Sensation sorgte. Ein Jahr später wurde sie sogar U-23-Europameisterin. Ein wichtiger Abschnitt begann 1997, als es gelang, die amtierende Weltmeisterin Barbara Heeb zu verpflichten. Die Schweizerin gewann gleich zweimal das Altstadtrennen und stand als WM-Dritte sowie Zweite der Tour de France auf dem Treppchen.

Um ab 1999 auch für den Straßen-Weltcup der Frauen startberechtigt zu sein, fusionierte das Bundesliga-Team des TCN am 15. November 1998 mit der schweizerischen Weltklasse-Mannschaft Serotta World Team zur neuen Equipe Nürnberger. Sie bestand anfangs aus zehn Deutschen und vier Schweizerinnen. Für die erste Saison wurde neben der Versicherung mit dem Luzerner Lebensmittelkonzern Emmi ein weiterer Hauptsponsor gefunden. Deshalb hieß das Team zwischen Januar und Oktober 1999 Equipe Nürnberger-Emmi.

Ab der Saison 2000 war das Versicherungsunternehmen alleiniger Hauptsponsor. Spitzenfahrerinnen wie die Neuseeländerin Jacinta Coleman kamen hinzu und trumpften bei internationalen Rennen auf. Auch in der Bundesliga lief es ausgezeichnet. Die Schwedin Jenny Algelid begeisterte als zweifache Siegerin des Altstadtrennens 2001 und 2002.

2002 stieg die Versicherung als Sponsor aus dem Team Nürnberger im Männer-Radsport aus und konzentrierte sich ganz auf die Equipe. Deren Manager Herbert Oppelt verpflichtete nach der Cross-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel und der Australierin Margret Hemsley Ende 2002 auch die beiden erfolgreichsten deutschen Fahrerinnen: Petra Roßner, Weltcupsiegerin, und Judith Arndt, Deutsche Meisterin. Mit der Junioren-Europameisterin Trixi Worrack war das Dream Team, das nun als erste und einzige deutsche Frauen-Profimannschaft beim Weltverband UCI registriert wurde, für die Saison 2003 komplett.

Und die Zahl der Erfolge wuchs weiter. Die Rad-Amazonen begeisterten bei Klassikern und Weltcup-Rennen. 2004 wurden sechs Rundfahrt-Siege, zwei Weltcup-Siege, drei deutsche Meistertitel, Rang 1 in der Bundesliga und von Judith Arndt der WM-Titel sowie Olympia-Silber in Athen errungen. In den Jahren 2004 und 2005 galt die Equipe als beste Mannschaft der Welt.

Fast genauso wichtig wie die olympische Medaille war ein Sieg am grünen Tisch: Nach zähen Verhandlungen mit dem Weltverband UCI erhielt das Frauen-Rennen rund um die Nürnberger Altstadt den Weltcup-Status. Die Freude darüber wurde vollkommen, als der australische Neuzugang Oenone Wood den Weltcup-Gesamtsieg 2005 für die Equipe herausfuhr. Die zurückgekehrte Regina Schleicher wurde zudem auf Anhieb Weltmeisterin.

Vor wenigen Wochen wurde auf dem attraktiven Kurs des internationalen Radrennens rund um die Nürnberger Altstadt bereits die 19. Auflage ausgetragen. Das letzte Weltcup-Rennen der Radsport-Saison der Frauen endete mit einem 5. Platz von Equipe-Star Suzanne de Goede. Als bester Nürnberger Profi platzierte sich Trixi Worrack in der Weltcup-Gesamtwertung auf Rang 8. In der Weltcup-Gesamtteamwertung belegte der 14-köpfige Rennstall um die Sportlichen Leiter Jochen Dornbusch und Matthias Hesselbach den 4. Platz.

Auch die Monate zuvor waren erfolgreich: Nach den frühen Saisonsiegen der Frauen durch Eva Lutz (2. Etappe Tour of Qatar), Suzanne de Goede (Omloop Het Nieuwsblad) und Marlen Jöhrend (2. und 4. Etappe der Tour of Chongming Island) triumphierte Trixi Worrack Anfang Mai bei der Gracia Orlova Tour. Drei Wochen später errang sie den 2. Platz in der Gesamtwertung der Tour de l’Aude in Frankreich. Die Equipe hatte dort auch im Mannschaftszeitfahren die Nase vorn.

Im Juni gewann die mittlerweile 35 Jahre alte Regina Schleicher, die ihre lange und erfolgreiche Karriere nun beendet hat, die 1. Etappe des Giro del Trentino. Trixi Worrack wurde in Cottbus Deutsche Meisterin im Einzelzeitfahren. Madeleine Sandig kam auch zu Meisterehren: Sie stand in Erfurt in der Bahn-Einerverfolgung ganz oben auf dem Treppchen.

Beim Giro d’Italia siegte Amber Neben im Einzelzeitfahren. Trixi Worrack holte sich dort die 11. Etappe und später auch die Deutsche Bergmeisterschaft in Waldenburg. Charlotte Becker war auf der 2. Etappe der Internationalen Thüringen-Rundfahrt und beim Albstadt-Etappenrennen erfolgreich. Auch in der von Bianca Purath gewonnenen Bundesliga führte die Equipe erneut die Mannschaftswertung an - bereits zum siebten Mal nach 2000, 2003 bis 2006 und 2008.

Die Geschichte der Equipe Nürnberger Versicherung wird ab dem 1. Januar 2010 unter einem neuen Namen und auf bisherigem Niveau fortgeschrieben: Hauptsponsor ist ab dann die international tätige Reederei Skyter Shipping mit Unternehmenssitz in Luxemburg und Verwaltungssitz in Fürth. Deren Geschäftsführer Michael Lindemann ist zudem ein gebürtiger Nürnberger - das Team bleibt also durch und durch fränkisch.

TCN und Equipe in der Bundesliga: 1994 Platz 2, 1995 Platz 4, 1996 Platz 3, 1997 Platz 2, 1998 Platz 3, 1999 Platz 3, 2000 Platz 1, 2001 Platz 5, 2002 Platz 2, 2003 Platz 1, 2004 Platz 1, 2005 Platz 1, 2006 Platz 1, 2007 Platz 8, 2008 Platz 1, 2009 Platz 1.

Equipe in der Weltrangliste: 1999 Platz 5, 2000 Platz 15, 2001 Platz 13, 2002 Platz 8, 2003 Platz 2, 2004 Platz 1, 2005 Platz 1, 2006 Platz 3, 2007 Platz 4, 2008 Platz 4, 2009 Platz 4.

Equipe in der Weltcup-Teamwertung: 2006 Platz 4, 2007 Platz 4, 2008 Platz 2, 2009 Platz 4.

*Der 29-jährige Sportmanager und Sporthistoriker Andreas M. Tschorn, Autor zahlreicher Publikationen zur Sportgeschichte, ist ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Dresdner SC und jetziger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Olympischen Gesellschaft Oberfranken-Süd für die Städte und Kreise Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Kulmbach und Wunsiedel.

Quelle: Presse-Information vom 5. Oktober 2009



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