
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
München (ddp-bay). Die Misshandlung einer 83-jährigen Rentnerin durch zwei 13-Jährige in München hat eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann sprach am Donnerstag von einer Zunahme von Gewalttaten bei Jugendlichen und nannte als Grund dafür einen «restlosen Verfall» der Kultur. Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) über die Kriminalitätsrate bei Kindern bis 14 Jahre belegen den Zuwachs. Unterdessen forderte die Junge Union Bayern eine Absenkung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre für bestimmte Fälle. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig plädierte dafür, in bestimmten Fällen nicht-strafmündige Täter ihren Eltern zu entziehen. Psychologe Bergmann, Leiter des Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie in Hannover, sieht die Ursachen der zunehmenden Jugendgewalt in gesellschaftlichen Veränderungen. Es müsse vor allem gefragt werden, wie die gewalttätigen Kinder «so kalt und dissozial geworden sind». Hinsichtlich der Bekämpfung der zunehmenden Jugendkriminalität sagte Bergmann: «Alles wirkt besser als Disziplin und Strafe.» Das sieht die Junge Union Bayern anders. Sie fordert in bestimmten Fällen eine Absenkung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre. «Diese soll nur für Taten gegen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit gelten», sagte der stellvertretende Landesvorsitzende und Leiter des Fachbereichs Innere Sicherheit, Karlheinz Roth. Wenn ein 13-Jähriger imstande sei, ein derartiges Verbrechen zu begehen, solle er sich nicht hinter dem Schutzschild der altersbedingten Unmündigkeit verstecken können. «Durch ihre Tat beweisen die Täter eine perfide Reife, der die Gesellschaft begegnen muss», sagte Roth. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig warb für Kindesentzug als letztes Mittel bei nicht-strafmündigen Tätern. «Wenn die Eltern sich um das Wohlergehen der Kinder und ihre Erziehung überhaupt nicht kümmern, gibt es zur Herausnahme aus der Familie keine Alternative», sagte sie. Ihrer Meinung nach seien die «Laissez-faire-Strukturen» überholt und es müsse die Handlungskompetenz staatlicher Institutionen gestärkt werden. Statistiken des BKA zeigen, dass die Zahl der von Kindern unter 14 Jahren begangenen Straftaten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. So erhöhten sich beispielsweise die gefährlichen und schweren Körperverletzungen durch Täter in dieser Altersgruppe zwischen den Jahren 2005 und 2008 um mehr als 1100 Fälle. 2008 lag der Wert insgesamt bei fast 7500 Delikten in diesem Bereich. Am Montag sollen zwei 13 Jahre alte Jungen auf eine 83-jährige demenzkranke Frau uriniert, sie mit Fußtritten traktiert und ihr einen halben Liter Schnaps gewaltsam eingeflößt haben. Die Schnapsflasche sollen sie anschließend mit Urin aufgefüllt und über der Frau ausgeschüttet haben, nachdem sie diese bereits mit Rasierschaum, Maggi und Parfüm besudelt hatten. Einer der beiden Jungen wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. (Quellen: Roth und BKA auf ddp-Anfrage, Bergmann und Heisig auf «Phoenix») ddp/wem/lyh