Der Biber kehrt in das Herz Schleswig-Holsteins zurück. Das teilte Umweltminister Dr. Christian von Boetticher mit. Zwar leben die Biber eher im Verborgenen, sie hinterlassen aber deutliche Spuren: Seit Jahrzehnten schon erobern Elbe-Biber verloren gegangenes Terrain zurück; am Elbufer zwischen Lauenburg und Geesthacht bauten sie bereits die typischen Burgen. Nun wurden sichere Biberspuren jedoch auch im zentralen Holstein im Naturpark Aukrug entdeckt. Es wird angenommen, dass der Urheber von der Elbe die Stör aufwärts gewandert ist. "Damit kann das Bemühen um biologische Artenvielfalt in unserem Bundesland einen weiteren Erfolg verzeichnen", sagte von Boetticher.
Hartwig Hahn, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft zur Wiedereinbürgerung und Bestandserhaltung der Lachse, Meer- und Bachforellen im Stör- und Bramaugebiet, fand die Biberspuren an der Bünzau, einem Nebengewässer der Stör. "Wir waren auf der Bünzau unterwegs, um laichbereite Lachse und Meerforellen für die Nachzucht zu fangen. Da fielen uns am Ufer umgestürzte Erlen und Pappeln auf. Sie waren unten am Stamm durchgenagt, ganz offensichtlich von einem Biber", so Hahn.
Der Elbe-Biber feiert also offensichtlich zwischen Nord- und Ostsee ein Comeback: Anfang des 20. Jahrhundert hatten kaum 200 Tiere in Auwäldern bei Dessau überlebt. Seit drei bis vier Jahrzehnten wächst ihre Zahl und damit das Verbreitungsgebiet. Heute umfasst die Population deutschlandweit wieder gut 6.000 Exemplare.
Ab etwa 1990 gab es in Schleswig-Holstein erste Meldungen über Biberspuren bei Lauenburg. Danach tauchten am Elbe-Lübeck-Kanal und in der Haseldorfer Marsch seither erste Einzelgänger auf. Im Winter 2005/2006 wiesen gefällte Bäume am Ufer der Stör erstmals wieder auf Biber hin. Die Entfernung zur Elbe betrug dort bereits ca. 40 Kilometer.
Biber brauchen zum Leben eigentlich nur einen zehn bis 15 Meter breiten Uferstreifen, der unbebaut und unbewirtschaftet ist. Dort wachsen von Natur aus Weichhölzer wie Pappeln und Weiden, die Baumaterial liefern und deren Rinde und Reisig auch schon einmal als karge Winternahrung dienen. "Wir müssen daher sehen, wo wir jetzt solche Streifen gegebenenfalls neu schaffen können", sagte Umweltminister Dr. Christian von Boetticher, "damit sie von Gehölzen bewachsen sind, wenn die Biber kommen. Ansonsten weichen die Nager auf Äcker aus, fressen Rüben oder Mais, fällen junge Eichen - und kommen dabei mit Landwirten und Forstleuten in Konflikt. Unser Ziel bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist es daher, solche Konflikte zu vermeiden und die naturnahe Entwicklung der Gewässer mit den berechtigten Interessen der Anlieger in Einklang zu bringen."
Der Biber ist das größte europäische Nagetier. Sein Körperbau wirkt gedrungen. Das Gewicht eines erwachsenen Tieres kann 20-30 Kilogramm, die Gesamtkörperlänge bis zu 1,40 Metern betragen. Der charakteristische unbehaarte und flache Schwanz, die so genannte Kelle, ist etwa 30 Zentimeter lang und schuppig. Dieses sicherste Erkennungsmerkmal ist allerdings nur bei Tieren gut zu sehen, die sich an Land aufhalten. Gerade ungeübte Beobachter laufen daher Gefahr, im Wasser schwimmende Biber mit Fischottern, Bisams oder Nutrias zu verwechseln. Die Fellfarbe variiert zwischen hellbraun und schwarz. Der Nager verbreitet sich vor allem schwimmend. Sie benutzen größere Flussläufe quasi als Autobahn, schauen allerdings oft ebenfalls in die Nebenflüsse. Auch an Land können die Tiere ohne weiteres mehrere Kilometer zurücklegen. Selbst in besiedelte Gebiete wagen sie sich manchmal.
Innerhalb ihres Verbreitungsgebiets leben Biber an und in stehenden und fließenden Gewässern aller Art. Sie fühlen sich nur im Wasser wirklich wohl und benötigen eine Wassertiefe von rund 50 Zentimetern, um schwimmen und tauchen zu können. Ist der Wasserstand in ihrem Revier zu niedrig, so beginnen sie mit dem Bau eines Dammes, um den Wasserstand auf ein für sie akzeptables Maß anzuheben.
Bevorzugt werden Lebensräume mit reichem Uferbewuchs oder ausgedehnten Auenwäldern. Auf die Anwesenheit eines Bibers deuten eine Reihe von unverwechselbaren Spuren im Gelände hin: gefällte Bäume, Fraßplätze am Ufer, eine Biberburg oder ein Biberdamm. Sehr typisch sind in Unterschenkelhöhe benagte Baumstämme, die üblicherweise deutliche Abdrücke der Nagezähne tragen. Die anfallenden Holzspäne liegen in aller Regel am Stammfuß herum.
Ideale Lebensräume fände der Biber an der Bünzau unterhalb der Bundesstraße B 430 sowie an der Stör von der Bünzau-Mündung bis zur Arpsdorfer Au. Zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie hat hier die Landesregierung bereits den Erwerb von Niederungsflächen durch den Wasser- und Bodenverband Bünzau, durch die Stiftung Naturschutz und die Schrobach-Stiftung gefördert. Diese Talräume bieten sich auch für eine naturnahe Entwicklung an. Dabei werden zum Beispiel Auwaldstreifen an den Bachläufen angelegt.