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Limburg (ddp-hes). --Von ddp-Korrespondent Stefan Höhle-- Der 59 Jahre alte Paul Stahl ist am Samstag aus Berlin zur Beerdigung seines Schulkameraden nach Limburg-Dietkirchen gekommen. In der Nacht zum Dienstag verbrannte hier sein Freund bei einem Feuer auf seinem eigenen Bauernhof, mit ihm zusammen dessen Frau und die drei erwachsenen Kinder. Auch ein polnischer Erntehelfer fand den Tod. In der Dietkirchner St.-Lubentius-Kirche hoch über der Lahn nahmen die Bewohner Dietkirchens am Samstag Abschied von den Opfern. «Mein Freund und ich sind als Kinder hier gemeinsam Messdiener gewesen», erzählt Stahl. Beide Freunde hatten den gleichen Vornamen. «Alle in Dietkirchen mochten Pauls liebenswürdige Familie», sagt Stahl. Der 59-Jährige ist vor Beginn der Messe in den Garten der mächtigen Feldsteinkirche gegangen, schaut über die Mauer auf die Lahn herab und dann zu den beiden Türmen hoch. «Von hier aus sieht man gut, wo früher das große Uhrwerk saß. Paul und ich mussten es einmal die Woche aufziehen.» 1974, als sein Freund heiratete, zog Stahl nach Berlin. «Um ihre drei geistig schwerbehinderten Kinder haben sich die Eheleute liebevoll gekümmert», berichtet Stahl. «Aber trotz allem waren sie eine aktive Familie, überall zu sehen.» Über 20 Jahre lang war der jetzt ums Leben gekommene Vater der Kinder Abgeordneter im Ortsbeirat, spielte Tischtennis im Verein, stand im Fußballtor. «Ich wusste es daher schon bei meiner Anreise», sagt Stahl, «dass heute alle kommen würden.» Am Samstag trauerten die Dietkirchner gemeinsam. Über 500 von ihnen verfolgten teilweise stehend und durch die geöffneten Kirchenportale auch von draußen den Gottesdienst. Der Chor räumte die Empore, um später auf dem Friedhof zu singen. Ortsvorsteher Bernhard Eufinger bemühte sich redlich, alle unterzubringen. «Heute erscheinen die meisten im kompletten Familienverband», berichtet Eufinger. Abseits des Geschehens war auf den Straßen des 1700-Einwohner-Orts am Samstagvormittag niemand zu sehen. Zur Bestattungsfeier auf dem Friedhof fanden sich dann rund 1000 Menschen ein. Zur Messe in der St.-Lubentius-Kirche waren auch die Angehörigen des polnischen Erntearbeiters gekommen, die ihr Familienmitglied in die Heimat überführen werden. Selbst aus Dietkirchens belgischer Partnerstadt Oudenburg reisten 30 Trauergäste an. «Es ist wichtig», sagte Pfarrer Friedhelm Meudt bei der Messe, «wahrzunehmen, wie viele heute hier sind.» In der vordersten Kirchenbank saßen die Großeltern der betroffenen Familie. In letzter Minute hatte der Großvater mit Hilfe hinzugeeilter Nachbarn seine auf den Rollstuhl angewiesene Frau vor den Flammen retten können. Die Experten des Wiesbadener Landeskriminalamts haben am Brandherd Spuren gesichert, aber sich noch nicht auf eine Ursache für den Feuerausbruch festgelegt. Polizei und Feuerwehrleute in Dietkirchen vermuten einen technischen Defekt. Einen von den Experten routinemäßig ebenfalls geprüften erweiterten Suizid schließt in Dietkirchen jeder aus, über private Hintergründe des Geschehens spekuliert im Ort niemand. Im Moment des Trauerns steht die Welt still in Dietkirchen. ddp/hos/lyh
Quelle: ddp