
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
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Kempten/Ulm (ddp-bwb). Auf dem Standstreifen der Autobahn 7 zwischen Kempten und Ulm sind Männer in orangefarbenen Warnwesten im Einsatz. Nach einem Unfall beseitigen sie Ölreste, vor allem bei Nässe ist eine ölverschmutzete Fahrbahn für Autofahrer lebensgefährlich. Aber auch der Einsatz der Ölspur-Beseitiger ist gefährlich, wie die Polizei vermehrt feststellt. In Süddeutschland melden die Behörden hohe Unfallzahlen wegen Öl. Autofahrer unterschätzten nicht nur die Gefahren durch verunreinigte Straßen, auch bei Absperrungen wegen Straßenarbeiten seien sie in vielen Fällen leichtsinnig. Folge seien Unfälle, bei denen auch Straßenarbeiter ums Leben kommen. Der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion beim Polizeipräsidium in Kempten, Klaus Schorm, sagt, mehrere Vorfälle in der Vergangenheit hätten gezeigt, wie «ausgesprochen gefährlich» die Arbeit auf der Autobahn sei, auch mit Absicherung. «Es kommt immer wieder zu Unfällen, bei denen das Personal - ob das nun ein Straßenmeister ist oder eine Reinigungskraft - zu Schaden oder gar ums Leben kommt», berichtet Schorm. Das Statistische Bundesamt liefert Unfallzahlen bei «Verunreinigung durch ausgeflossenes Öl» in Deutschland. Demnach kam es 2009 zu 603 Unfällen an Ölspuren mit insgesamt 709 Verunglückten. Vier Menschen wurden getötet, 84 schwer und 621 leicht verletzt. Im Zeitraum von 2000 bis 2009 gab es insgesamt 8795 Unfälle mit 73 Todesopfern. Dabei unterscheiden die Statistiker nicht nach Verkehrsteilnehmern und Straßenreinigern. Chris Keuschnig arbeitet in einem Straßenreinigungsteam auf der A 7. Mit einem Spezialgerät sprüht er eine Lösung auf die Fahrbahn, anschließend saugt und fegt er die Mischung wieder von der Straße. Über die Gefahren seiner Arbeit sagt er: «Die brettern da vorbei. Wir sind da wirklich direkt am Außenspiegel, manchmal merkt man noch richtig den Windsog.» Nach einem Unfall mit zwei Lkw an der Ausfahrt der A 6 in der Nähe von Heilbronn ist Daniel Meyer von einem Spezialabschleppdienst im Einsatz. Solange eine Vollsperrung besteht, sei die Gefahr für die Einsatzkräfte recht gering, sagt Meyer. «Aber wenn dann eine Fahrspur wieder freigegeben wird, dann heißt es für die Arbeiter an der Gefahrenstelle, höchste Vorsicht», berichtet der Experte, in dessen Heilbronner Firma auch Spezialfahrzeuge zur Ölspurbeseitigung hergestellt werden. Noch gefährlicher sei es aber, wenn keine Polizei mehr da sei und das Reinigungsfahrzeug die letzten Ölspurreste beseitige. Verkehrspolizeichef Schorm und viele seiner Kollegen zählen Ölspuren zu den «Top Ten unterschätzter Unfallgefahren» - sowohl für die Ölspur-Beseitiger als auch für die Motorrad- und Autofahrer. Schorm fügt einschränkend hinzu, dass Biker meist am vorsichtigsten seien, vor allem in Kurven. «Die haben ein besonderes Auge auf die Fahrbahn, denn es wird jeder schon mal üble Erfahrungen gemacht haben.» Die Autofahrer unterschätzten aber in aller Regel Ölspuren auf den Fahrbahnen, sagt Schorm. Diese seien oft spät erkennbar und heimtückisch. Denn das Fahrzeug könne bei geringster Einwirkung, beim Bremsen, Gewichtsverlagerung oder Gasgeben, leicht wegscheren und sei dann »absolut nicht mehr zu halten». ddp/wit/mwa
Quelle: ddp