
Nachrichten von Redaktion_LocalXXL
Osnabrück (ddp-nrd). Thorsten Wiebrock steht in der vom Hochwasser zerstörten Küche seines Elternhauses in Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Er sieht erschöpft aus. Seit einer Woche arbeiten er, sein Bruder Sascha und sein Vater Hugo in dem nur wenige Meter vom Bach Düte entfernt stehenden Haus. Von dem Bach strömte in der Nacht zum 27. August das Hochwasser ins Haus der Wiebrocks. Die Heizung, das Inventar im Erdgeschoss und Fenster wurden zerstört. Die Wiebrocks taxieren den Schaden auf 100 000 bis 150 000 Euro. Da tut Hilfe not. Die Stadt Georgsmarienhütte beschloss am Donnerstagabend, einen Nothilfefonds in Höhe von 50 000 Euro für besonders betroffene Bürger einzurichten. Die Landesregierung hat so etwas derzeit nicht vor, wie ein Sprecher des Innenministeriums sagt. Gleichwohl macht sich der CDU-Landtagsabgeordnete Martin Bäumer, in dessen Wahlkreis Georgsmarienhütte liegt, in der Staatskanzlei für die Einrichtung eines Fonds stark. «Um die Menschen, die nicht versichert sind, muss sich der Staat kümmern», sagt er. Es sollte jedoch nicht jeder Geld erhalten, dessen Keller feucht geworden sei. Von dem Geld könnten auch die Wiebrocks angesichts der Höhe ihres Schadens profitieren. Eine Elementarversicherung, die die Hochwasserschäden übernimmt, haben sie nämlich nicht. Die wurde ihnen nach eigener Aussage von den Versicherungen verwehrt, weil das Haus zu nah an der Düte liege. Bis ihr Haus wieder hergerichtet ist, leben die Wiebrocks in einer Notunterkunft, die Bäumer ihnen besorgte. Mittlerweile mehren sich in Georgsmarienhütte Stimmen, wonach die immensen Hochwasserschäden vermeidbar gewesen wären. Die Grünen wiesen darauf hin, dass beim Ausbau der Oeseder Möbelindustrie ein vorgeschriebenes Regenrückhaltebecken bislang nicht angelegt wurde. «Die Schäden kommen nicht von ungefähr», sagt auch Andreas Peters vom Naturschutzbund NABU in Osnabrück. Es gebe zu viele versiegelte Flächen. «Da helfen auch keine Dämme», sagt er. Dem Wasser müsse mehr Raum gegeben werden. «Man hätte das Hochwasser nicht vermeiden können», sagt dagegen Bäumer. Dazu sei zu viel Regen in zu kurzer Zeit gefallen. In Osnabrück waren es nach Angaben der Stadt innerhalb von 24 Stunden 119 Liter pro Quadratmeter. Dennoch pflichtet Bäumer dem Naturschützer bei. «In der Vergangenheit ist bei Bauvorhaben in der Nähe von Kommunalpolitikern ein Auge zu viel zugedrückt worden», sagt er und nimmt sich dabei selbst auch in die Pflicht. Aber auch die Bürger seien gefragt. Viele dächten nur an ihr kleines Stück Terrasse, das zugepflastert werde, weil es schöner aussehe. «Das trägt aber dazu bei, dass mehr Wasser durch Gräben fließt und es nicht mehr vernünftig versickern kann», sagt er. Anders als bei den vielen betroffenen Familien hat das Hochwasser im Landkreis Osnabrück an öffentlichen Gebäuden oder Straßen keine nennenswerten Schäden angerichtet, wie ein Sprecher sagt. In der Stadt Osnabrück hingegen dürften die Schäden doch beträchtlich sein. Zwar kann ein Stadtsprecher noch keine Zahlen nennen. Er verweist aber darauf, dass die Kommune einen sechsstelligen Betrag allein für die Kosten des Sperrmülls aufwenden müsse. Die Stadt hatte allen vom Hochwasser Betroffenen angeboten, den zerstörten Hausrat kostenlos abzuholen. Die Bürgern konnten sich zum Schutz vor dem Hochwasser auch kostenlos mit Sandsäcken eindecken. Für deren Entsorgung müsste die Stadt laut Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) etwa 10 000 Euro bezahlen. Seit das Hochwasser in Osnabrück auf dem Rückzug ist, laufen auch in Osnabrück die Aufräumarbeiten. Bis auf eine Straße sind inzwischen wieder alle Verkehrswege befahrbar. Bei den Wiebrocks in Georgsmarienhütte dauert es derweil noch. «Wir hoffen, dass wir an Weihnachten wieder auf dem Stand null sind», sagt Thorsten Wiebrock. Bildhinweis: 010910BRE102, 010910BRE128, 010910BRE171, 010910BRE123 ddp/twr/han /1
Quelle: ddp
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