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Nachrichten aus GautingEin drittes Auge fürs Museum
Nachrichten von Kreisbote
Gauting, Mi, 16.04.08 01:02
Aktionskünstler Lubo Kristek im Mai in der Lechstadt Neuzerts letztes Museumsjahr noneVon FREDEGARD PÖNITZSCHLandsberg – Das Neue Stadtmuseum wartet im aktuellen Ausstellungsjahr mit neun Sonderexpositionen auf. Nach Gemälden von Franz Meier, Aquarellen von Kevin A. Perryman und Fotografien von Dr. Siegfried Staude folgt ab 9. Mai „Das dritte Auge der Fernverständigung“ von Lubo Kristek. Diese Schau hat fürwahr alle Voraussetzungen, zu den Höhepunkten in der Geschichte des Ausstellungsprogramms im Neuen Stadtmuseum zu avancieren.Der tschechische Weltbürger, Bildhauer, Maler und Aktionskünstler hatte sich nach dem Prager Frühling 1968 bis zum Fall der Mauern zwischen Ost und West 1990 im Raum Landsberg seinen schöpferischen Arbeitsbereich geschaffen. Der Weggefährte von Salvatore Dali, der heute wieder in seiner tschechischen Heimat lebt, machte mit legendären Happenings auf sich aufmerksam und wird voraussichtlich am 10. Mai mit einem seiner Kunstevents im Neuen Stadtmuseum aufwarten.Mit einzigartigen Holzskulpturen von der in Gauting lebenden Daisy Fischer (4. Juli bis 17. August) und Gemälden des in Dornstetten ansässigen Ernst Heckelmann (10. Juli bis 21. September) werden wiederum Arbeiten zeitgenössischer Kunst vorgestellt. Abgerundet wird diese Rubrik durch Objekte, Ätzungen und Radierungen von Robert Kaindl-Trätzl (4. Oktober bis 15. November). Anhand der Ausstellung kann der Weg des Nahe Landshut lebenden Künstlers vom Grafiker zum Objekt Künstler nachvollzogen werden. Nicht nur für die große Gemeinde der Hobbyfotografen dürfte Fototechnik aus 170 Jahren sein. Vom 15. Mai an bis 29. Juni ist die vom Kamerahersteller Leika geförderte Sammlung in der Lechstadt zu Gast.Auch Zeitgenössisches„Wir denken, dass wir mit dieser Themenwahl wiederum unserem Namen und unserem Anspruch voll und ganz gerecht werden“, sagte Hartfrid Neunzert, der sein letztes Museumsjahr eröffnete. Im Herbst wird er in den Ruhestand treten. Als der 1987 zum Museumsleiter berufene Pädagoge das verbriefte Recht wahrnahm, den Namen des Museums festzulegen, entschied er sich für „Neues Stadtmuseum“. „Damit wollte ich nicht nur der Tatsache entsprechen, dass die Landsberger Sammlung von einer kleinen Dreizimmerwohnung“, so Neunzert, „in ein ehemaliges Jesuitengymnasium mit 1300 Quadratmeter Ausstellungsfläche ziehen konnte.“ Zudem habe er mit dem Eigennamen prägnant darauf hinweisen wollten, dass den Besucher nicht nur die übliche Dauerausstellung zur Regionalgeschichte erwartet, sondern auch zeitgenössischen Kunst einen gleichberech- tigten Schwerpunkt bilde.Dies sei in der Hinsicht erweitert worden, dass Kunst in allen Genres, in allen Facetten präsentiert wird. Jüngstes Beispiel dafür war die im März gezeigte Sonderschau „Bonsai, Ikebana und Suiseki“. Über 1500 Besucher nahmen Einblick in kunstvollen Traditionen des Fernen Ostens. Mit diesem Besucheransturm stieß das ehrwürdige Haus wiederum an seine Grenzen.Bei Bedarf ImprovisationDoch das Landsberger Stadtmuseum will nicht nur mit Kunstausstellungen brillieren. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Rahmenprogrammen zu den Expositionen gesammelt“, so Neunzert. Seien es eine für grandiose Stimmung sorgende mexikanische Formation, musikalisch literarische Abende, Lesungen oder Konzerte: Meist reichen die Plätze nicht aus, und in guter Improvisation werden flink Stühle aus dem ganzen Haus zusammengetragen.Hartfrid Neunzert führt so die Geschichte des Hauses fort. Seit mehr als 300 Jahren nimmt das alte Jesuitenkolleg hoch über der Altstadt nicht nur einen beherrschenden Platz in der Stadtsilhouette ein, sondern war stets eine Stätte der Kultur und Kunst. Sie ermutigte, aus großen Visionen und Hoffnungen heraus für Glauben, Gerechtigkeit und Frieden einzustehen. Bei allen neuen Wegen verliert Neunzert die ständigen Schausammlungen nicht aus dem Auge, „schließlich wollen wir Heimat- und Stadtgeschichte in beispielhafter Weise erlebbar machen.“ Der Museumsexperte freut sich angesichts des sehr engen finanziellen Spielraums natürlich über Zuwendungen. So konnte Hartfrid Neunzert jüngst eine Schenkung mit 21 Simplicissimus-Blättern des 4. Radierzyklus von Erich Erler entgegen nehmen.Luidl-Engel als WahrzeichenAls neues Wahrzeichen des Neuen Stadtmuseums könnte der „Engel mit Posaune“ gelten, der von der Decke schwebend den Besucher begrüßt. Die wunderschöne Figur von Lorenz Luidl, die die Sammlung an Schnitzereien der Bildhauerfamilie Luidl ergänzt, konnte im Vorjahr erworben werden. Jetzt hofft Neunzert auf den Zukauf der kleinen Figur „Heiliger Michael ersticht Luzifer“ gleichfalls von Lorenz Luidl. Die über 300 Jahre alte Schnitzerei ist zum Preis von 13000 Euro angeboten. „Für etliche private Kunstliebhaber kein Preis“, weiß Hartfrid Neunzert. Mit Spenden (Konto 3038, Kreissparkasse Landsberg-Dießen, BLZ 70052060 Stichwort „Museum“) könnte man der Erwerb ja finanzieren…
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