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Hässlich ist er schon

„Thomas Glavinic zählt mit Kathrin Röggla und Daniel Kehlmann zu jenen jungen österreichischen Autoren, die die literarische Diskussion in Österreich wesentlich mitprägen.“ So beginnt der Eintrag zu Glavinic bei Wikipedia. Man kann kaum glauben, dass eben dieser Autor auch die Hauptfigur seines neuen Werkes ist.

Mit „Das bin doch ich“ liefert Thomas Glavinic ein tagebuchartiges Werk über einen Autor im Leerlauf.

Gerade hat der Protagonist, bezeichnenderweise gleichen Namens, sein Buch „Die Arbeit der Nacht“ vollendet, wartet er nun auf die Veröffentlichung der Longlist für den deutschen Buchpreis. Doch warum ist es ihm so wichtig auf dieser Liste zu stehen, scheint er doch all das, was die Literaturwelt ausmacht, zu verabscheuen. Glavinic trifft sich während dieser Zeit, wie auf der Suche nach der Erkenntnis, nicht gut genug für dieses Business zu sein, laufend mit erfolgreicheren Autoren und Künstlern der realen Welt. Er betrinkt sich ständig sinnlos und lebt sein Familienleben nur dann, wenn ihm danach ist.

Das klingt erst einmal nicht wirklich interessant, doch Glavinic beschreibt seinen Alltag, der von hypochondrischen Gedanken und einer Mischung aus Neid und Anerkennung geprägt ist, durchaus sympathisch, amüsant und nachvollziehbar. Dabei trifft er auf Radiomoderatoren, die ihn, ausnahmsweise mal komplett nüchtern, ironischerweise mit betrunkenen Hörern verbinden, auf eine alte Dame, der er im betrunkenen Zustand nach Hause folgen will und auf alte Verwandte, die stets nach seinem ausbleibenden Erfolg fragen. Doch auch die wissen eigentlich, dass er selbst nach dem Erscheinen seines vierten Buches nicht wirklich bekannt ist, bittet ihn seine Oma doch dringlichst, eine Widmung mit „Thomas Glavinic- Schriftsteller“ zu unterschreiben. Durch die vielen realen Figuren, deren Namen nicht im geringsten verändert wurden, entsteht ein autobiografischer Eindruck. Dieser wird allerdings durch die schrägen Erlebnisse Glavinics geschwächt. Fragt man sich doch zuweilen: Kann das alles wirklich einer einzigen Person passieren? Spätestens an dieser Stelle erinnert man sich an die Titelseite des Buches, die deutlich auf einen Roman verweist.

Dieses episodenhafte und unterhaltsame Werk ist leicht zugänglich und wirft nicht nur Fragen zum eigensinnigen Essverhalten Glavinics auf, sondern auch zur Stellung der neuen Kommunikationsmedien in seinem Leben. Sind doch die allgegenwärtigen SMS und Emails nur selten von sinnvollem Gehalt und stattdessen geprägt von Belanglosigkeiten. Die ihn stark einschränkende Hypochondrie begegnet dem Leser als witziger Tick, der stets zu vergnüglichem Kopfschütteln veranlasst. So zum Beispiel wenn Glavinic detailliert seine routinierten Duschverrenkungen beschreibt. Außerdem bekommt der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ hier eine ganz neue Bedeutung, wird er doch letztendlich zum Kernstück des Buches. Tag für Tag suchen Autoren nach neuen, noch nicht erschlossenen Themen, über die sie schreiben können. Glavinic schreibt über seine Erlebnisse, nachdem er ein Buch fertiggestellt hat und genau das bringt ihn ins Finale für den Buchpreis, auf das er mit „Die Arbeit der Nacht“ vergeblich gehofft hat.

Bei dieser gedankenartigen, sprunghaften Schreibweise fällt es jedoch hin und wieder schwer, den Überblick über eine an sich geschlossene Geschichte zu behalten und man fragt sich nach dem Sinn mancher Kapitel und ihrer Relevanz für das Gesamtwerk.

 

Thomas Glavinic: Das bin doch ich, Hanser, München 2007, 238 Seiten, 19,90 Euro

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